VAT'S IMPORTANT - NEWSLETTER 2021 - 02

Aktualisiert: 11. Feb.



 

NEWSLETTER 2021 - 02


WEITERVERRECHNUNG VON LEISTUNGEN AN ENG VERBUNDENE PERSONEN


 

Bei der Weiterverrechnung von Leistungen innerhalb von Gruppengesellschaften kommt immer wieder die Frage auf, wie diese mehrwertsteuerlich zu qualifizieren sind bzw. wie die Rechnungsstellung zu erfolgen hat. Viele vergessen dabei aber dabei die esssentielle Frage, zu welchem Wert diese Leistungen eigentlich versteuert werden sollten.




Steuerbares Leistungsverhältnis und Entgelt

Der MWST unterliegen die im Inland durch steuerpflichtige Personen gegen Entgelt erbrachten Leistungen, soweit das Gesetz keine Ausnahme vorsieht (Art. 18 Abs. 1 MWSTG). Bei der MWST-Pflicht steht der Austausch von Leistungen im Vordergrund. Dabei muss zwischen der Leistung (Lieferung oder Dienstleistung) und der Gegenleistung (Entgelt) ein innnerer wirtschaftlicher Zusammenhang bzw. ein hinreichender Konnex bestehen. Das Entgelt bildet in der Regel auch die Bemessungsgrundlage der MWST: Die MWST wird grundsätzlich vom tatsächlich empfangenen Entgelt berechnet. Zum Entgelt gehören namentlich auch der Ersatz aller Kosten, selbst wenn diese gesondert in Rechnung gestellt werden (Art. 24 Abs. 1 MWSTG).

Von diesem Grundsatz, dass das tatsächlich empfangene Entgelt als Bemessungsgrundlage für die Berechnung der MWST herangezogen wird, sieht Art. 24 Abs. 2 MWST eine Ausnahme für Leistungen an eng verbundene Personen vor.


MWST-Berechnung bei Leistungen an eng verbundene Personen

Eng verbundene Personen sind nach Art. 3 Bst. h MWSTG:

  • die Inhaber von mind. 20% des Stamm- oder Grundkapitals eines Unternehmens oder von einer entsprechenden Beteiligung an einer Personengesellschaft oder ihnen nahestehende Personen; als Letztere gelten Personen, welche zum Beteiligungsinhaber in einem besonderen persönlichen (z.B. verwandtschaftlichen) oder wirtschaftlichen Verhältnis stehen, beispielsweise Familienangehörige oder Schwesterngesellschaften;

  • Stiftungen und Vereine, zu denen eine besondere enge wirtschaftliche, vertragliche oder personelle Beziehung besteht (Ausnahme: Vorsorgeeinrichtungen).

Werden Leistungen an eng verbundene Personen erbracht, richtet sich die Steuerbemessung wie gesagt nach Art. 24 Abs. 2 MWSTG, wonach als Entgelt jener Wert gilt, der unter unabhängigen Dritten vereinbart würde.



Urteil des Bundesgerichts

Im Bundesgerichtsurteil 2C_443/2020 vom 8. Oktober 2020 beurteilte das Bundesgericht die Bemessung und Steuerberechnung auf Leistungen an eng verbundene Personen. Der ESTV lagen in diesem Fall keine Unterlagen wie Rechnungen oder Verträge vor, welche eine Leistung darlegen konnten. Sie setzte im Rahmen einer MWST-Kontolle bei der A GmbH (Architekturbüro) eine Steuerforderung fest. Das Architekturbüro handelt durch seine beiden Gesellschafter B und C, welche zugleich je einzige Geschäftsführer der D GmbH bzw. der E GmbH sind. Die ESTV begründete ihre Steuerforderung durch nicht verbuchte und nicht versteuerte Leistungen der A GmbH an die zwei eng verbundenen Gesellschaften D GmbH und E GmbH. Die Nachforderung berechnete sie basierend auf den von den Gesellschaften ausgewiesenen Umsätzen abzüglich einer Gewinnmarge von 10%. Zur Bemessung des Drittpreises hat die ESTV somit die Wiederverkaufspreismethode verwendet.

Laut Bundesgericht stelle bei fehlenden detaillierten Unterlagen die Wiederverkaufspreismethode oftmals die einzige praktikable Methode zur Bestimmung des Wertes einer Leistung unter eng verbundenen Personen dar. Die ESTV habe zu Recht von den Umsätzen der beiden Gesellschaften D GmbH und E GmbH eine Gewinnmarge von 10% abgezogen und auf der Differenz die Steuer berechnet.


Was muss ich als Unternehmer beachten?

Folgendes sollte bei der Weiterverrechnung von Leistungen beachtet werden:

  • Zunächst ist zu klären, ob die Rechnungsstellung an eine eng verbundene Person erfolgt.

  • Falls dies zutrifft, sollte das fakturierte Entgelt mit dem Drittpreis der erbrachten Leistungen (Marktwert) verglichen werden.

  • Liegt der Drittpreis höher, ist dieser als Bemessungsgrundlage für die MWST-Berechnung bzw. -Deklaration heranzuziehen.

 

Wir unterstützen Sie gerne bei Mehrwertsteuer- oder Zollfragen und stehen Ihnen jederzeit zur Verfügung.


Mit besten Grüssen von Ihrem MWST-/Zoll-Team



Mónika Molnár Anita Machin Florian Hanslik


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